Aufgaben Sitzung 3
Sie haben in der Vorbereitung den Artikel von Nabi & Van Der Wal (2026) gelesen und heute einen kurzen Überblick über zentrale theoretische Grundlagen erhalten: Unterhaltungserleben, Coping durch Medien und den Ansatz der Media Prescriptions. Darauf aufbauend soll heute die Frage im Mittelpunkt stehen, wie ein situatives Matching von Medieninhalten und Nutzungssituationen theoretisch begründet und empirisch untersucht werden kann.
Das übergeordnete Forschungsprojekt, in das Ihre Arbeit eingebettet ist, untersucht, ob kurze Videos, die durch einen auf medienpsychologischen Theorien aufbauenden Algorithmus ausgewählt werden, psychologische Erholungseffekte erzeugen. Die Studie verwendet eine eigens entwickelte App, in der Teilnehmende täglich Videos schauen und vor sowie nach jeder Session Fragen beantworten.
Aufgabe
Bearbeiten Sie die folgenden Aufgaben in Ihrer Gruppe. Halten Sie Ihre Ergebnisse schriftlich fest und dokumentieren Sie diese — soweit passend — im Präregistrierungstemplate.
Aufgabe 1 – Theoretische Verortung
Diskutieren Sie in Ihrer Gruppe: Warum sollte ein inhaltliches Matching zwischen Medieninhalten und Nutzungssituation überhaupt einen Unterschied machen?
Recherchieren Sie Literatur und erarbeiten Sie eine kurze theoretische Begründung, die auf mindestens zwei der folgenden Konzepte zurückgreift:
- Hedonisches vs. eudaimonisches Unterhaltungserleben
- Coping-Stile (problemorientiert vs. emotionsorientiert)
- Diskrete Emotionen als Wirkmechanismus (z. B. Hoffnung, Entspannung, Belustigung)
- Wahrgenommene Relevanz / situative Passung von Inhalten
- Erholungserleben (z. B. Detachment, Mastery, Relaxation)
Formulieren Sie am Ende dieser Aufgabe eine Kernhypothese in einem Satz: „Situativ passende Inhalte wirken [stärker / anders / …] als unpassende Inhalte, weil …“
Aufgabe 2 – Forschungsfrage entwickeln
Überlegen Sie, welche noch offene Frage im Rahmen des beschriebenen Projekts Sie besonders interessiert. Diese Frage sollte:
- sich theoretisch in den besprochenen Rahmen einfügen,
- empirisch im Rahmen der Studie bearbeitbar sein (d. h. sie darf nicht grundlegend neue Erhebungsinstrumente erfordern),
- über die Kernmanipulation Matching vs. Nicht-Matching hinausgehen.
Mögliche Anknüpfungspunkte (keine vollständige Liste):
- Welche Rolle spielen individuelle Unterschiede (z. B. Persönlichkeit, Nutzungsgewohnheiten, Coping-Stil) für die Wirksamkeit des Matchings?
- Gibt es Situationstypen, bei denen Matching besonders stark oder besonders schwach wirkt?
- Wie wirkt sich das wahrgenommene Erleben der Algorithmus-Passung auf die Nutzungsmotivation aus?
- Welche Rolle spielen Unterhaltungserlebnisse (z. B. Identifikation, Transportation) als vermittelnde Mechanismen?
Formulieren Sie Ihre Forschungsfrage präzise und begründen Sie kurz, warum sie relevant ist.
Aufgabe 3 – Operationalisierung skizzieren
Überlegen Sie, wie die in Aufgabe 2 entwickelte Forschungsfrage empirisch umgesetzt werden könnte — und zwar so, dass sie sich in das bestehende Studiendesign integrieren lässt.
Bedenken Sie dabei:
- Die App erhebt vor jeder Session eine kurze Situationsbeschreibung (Freitext + Likert-Items) sowie nach jeder Session Fragen zum Erleben.
- Die Teilnehmer:innen schauen täglich ca. 5 kurze Videos (3–5 Min.) über mehrere Tage hinweg.
- Es gibt zusätzlich ein einmaliges Pre-Questionnaire zu Beginn der Studie (geeignet für Trait-Maße und stabile individuelle Merkmale).
- Neue Items sollten sparsam eingesetzt werden — die Gesamtbelastung für Teilnehmende bleibt begrenzt.
Skizzieren Sie:
- Ob Ihre Variable(n) im Pre-Questionnaire, in den Pre-Session-Fragen oder in den Post-Session-Fragen erhoben werden sollten — und warum.
- Wie Sie die Variable(n) konkret messen würden (etablierte Skala, Einzelitem, Freitext o. Ä.).
- Welche Rolle die Variable(n) im Modell spielen: Moderator, Mediator, zusätzliche abhängige Variable?
Hinweise
- Es gibt keine „falschen” Antworten — gefragt ist konzeptionelles Denken, nicht Vollständigkeit.
- Vermutlich können Sie heute noch nicht alle Punkte in der Präregistrierung vollständig ausformulieren — das ist auch nicht das Ziel. Es geht darum, erste Ideen zu entwickeln und diese in die Plenumsdiskussion einzubringen.
- Wenn Ihnen Fachbegriffe aus dem Inputvortrag oder der Lektüre unklar sind, notieren Sie diese und bringen Sie sie in die Plenumsdiskussion ein.
- Ziel ist es, dass aus den Gruppenarbeiten mehrere kompatible Teilfragen entstehen, die gemeinsam in die Gesamtstudie einfließen können.
- Abgabe des Zwischenstandes per Mail (1x pro Gruppe) bis spätestens Sonntag, 03.05.2026